Medienkonferenz «Wendepunkt Bildung», Zürich, 27.4.2026
Nach Jahrzehnten voller Grossreformen befindet sich das Schweizer Bildungssystem in einer Krise. Das Leistungsniveau sinkt, es fehlt an qualifiziertem Personal, die Schulen sind auf verschiedenen Ebenen überlastet. Nötig ist ein sachlicher und ehrlicher Diskurs mit dem Ziel, die hohe Qualität der hiesigen Schulbildung zurückzugewinnen. Zu diesem Zweck müssen wir hinschauen, benennen und handeln – prinzipienorientiert und faktenbasiert. Zudem muss das verbreitete pädagogische Wunschdenken konsequent durch Realitätssinn ersetzt werden.
Verantwortung gegenüber den Kindern
Jedes Kind geht nur einmal zur Schule. Diese Jahre sind kein Probelauf. Bildungswirksamkeit ist keine technische Frage, sondern eine Frage der Verantwortung – gegenüber der nächsten Generation. Sie entsteht nicht durch Programme oder Schlagworte. Sie entsteht im Klassenzimmer: durch fachlich kompetente und pädagogisch wirksame Lehrpersonen, durch Klarheit im Aufbau, durch systematisches Üben, durch Beziehung und Anspruch. Am Ende geht es nicht um Strukturen. Es geht um die Chancen und die Zukunft der Kinder und Jugendlichen. Dafür tragen wir Verantwortung.
Stärkung der Lehrpersonen
Lehrpersonen stehen für Inhalte ein. Es ist ihre Aufgabe, Kultur und Tradition weiterzugeben, damit Neues entstehen kann. Dies erfordert neben dem Wissen vor allem pädagogische sowie methodisch-didaktische Fähigkeiten. Wo die Lehrperson verschwindet, verliert die Schule ihr Zentrum. Bildung braucht Personen, die für die Sache einstehen, Verantwortung übernehmen und Orientierung geben. Soll Schule mehr sein als Informationsverwaltung, muss die Lehrperson wieder sichtbar, hörbar und wirksam werden – damit die Schülerinnen und Schüler nicht allein gelassen werden.
Praxisnahe Ausbildung
Die Lehrerbildung ist akademischer geworden. Doch Akademisierung allein ersetzt keine Klassenzimmererfahrung. Sinkende Leistungen lassen sich nicht mit neuen Masterplänen beantworten. Pädagogische Hochschulen müssen sich an ihrer Wirkung messen lassen: praxisnah, evidenzorientiert und rückgebunden an die Erfahrung des Unterrichts. Die Ausbildungsinhalte der PHs bedürfen einer kritischen Überprüfung.
Weniger ist mehr – hinsichtlich Beziehungen
Heute begegnen Schülerinnen und Schüler einer Vielzahl – oft wechselnder – Bezugspersonen: Neben Lehrpersonen treten Sozialpädagoginnen, Klassenassistenzen, Schulpsychologen, Logopädinnen und weitere Fachkräfte auf. Die Integrative Schule verstärkt diese Entwicklung. Aber je mehr Erwachsene im System präsent sind, desto di^user wird die Beziehung zur verantwortlichen Klassenlehrperson. Eine stabile Bindung – zentrale Voraussetzung für erfolgreiches Lernen – wird dadurch geschwächt.
Weniger ist mehr – hinsichtlich Inhalte
Lehrpläne und Stundentafeln der Volksschulen wurden überfrachtet. Die Folgen sind Überlastung und Verzettelung. Es braucht einen klaren Fokus auf Lesen und Schreiben in der Erstsprache Deutsch sowie Rechnen. Das bestehende Fremdsprachenkonzept funktioniert nicht und muss neu geregelt werden.
Führung statt Verwaltung – Schulleitungen entlasten
Schulleitungen sollen führen, nicht verwalten. Stattdessen frisst ein endloses Karussell aus Berichten, Konzeptpapieren und Schulentwicklungsprojekten ihre Zeit. Schulprogramme werden aktualisiert, nicht weil es nötig wäre, sondern weil das Dokument Punkte braucht – präsentiert an aufwändigen Sitzungen ohne erkennbaren Nutzen. Wer permanent an der Schule arbeitet, arbeitet irgendwann nicht mehr für die Schule.
Dafür engagieren wir uns.
Dr. phil. Carl Bossard, Yasmine Bourgeois, Dr. phil. Beat Kissling, Prof. Dr. phil. Allan Guggenbühl, Philipp Loretz, Res Schmid, Christine Staehelin M.A., Roland Stark
Kontakt für Rückfragen: Philipp Loretz, 077 417 57 54, wendepunkt.bildung@protonmail.com
Download der Vorträge und Texte als PDF (75 Seiten):
April 2026: Wendepunkt Bildung – Mut zur Kurskorrektur
Manifest für einen bildungswirksamen Unterricht
Jedes Kind geht nur einmal zur Schule.
Darum hat es das Recht auf einen bildungswirksamen Unterricht.
Wir Erwachsenen tragen dafür die Verantwortung.
- Die heutige Volksschule wird diesem Auftrag zu wenig gerecht. Warum?
- Sie vernachlässigt das gemeinsame und systematische Lernen.
- Überfrachtete Lehrpläne und pädagogische Dogmen verdrängen das Zusammenspiel von Lehren und Lernen.
- Zentral verordnete Reformen binden Zeit und Ressourcen, entwerten das Pädagogische und tragen zu sinkenden Lernleistungen bei.
- Administration und Organisation ersticken die Freiheit und verdrängen den Sinn des Lehrberufs.
- Pädagogische Hochschulen verlieren den Bezug zur Praxis.
Darum fordern wir eine Neuausrichtung hin zu einer Volksschule, die über klare Ansprüche und systematisches Üben elementares Basiswissen sichert und so tragfähige Grundlagen fürs Leben vermittelt:
- verstehendes Lesen und kohärentes Schreiben,
- präzises Reden und begründetes Argumentieren,
- grundlegendes Rechnen,
- logisches Denken und freies Fantasieren,
- kreative und kulturelle Fähigkeiten,
- einen respektvollen Umgang und Förderung des Gemeinsinns.
Darauf müssen die Pädagogischen Hochschulen vorbereiten – und dafür müssen sie einstehen, in engem Austausch mit der Schulpraxis.
Der Sinn der Schule liegt im Pädagogischen.
Darum steht die Pädagogik im Mittelpunkt.
Jedes Kind hat ein Recht darauf, gesehen, angeleitet und verantwortungsvoll
unterrichtet zu werden.
Eine bildungswirksame Schule schafft entscheidende Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Darum gehört sie ins Zentrum der Politik.
Dr. phil. Carl Bossard, Yasmine Bourgeois, Prof. Dr. phil. Allan Guggenbühl,
Dr. phil. Beat Kissling, Philipp Loretz, Res Schmid, Christine Staehelin M.A., Roland Stark
Zürich, 27. April 2026
Download der Vorträge und Texte als PDF (75 Seiten):
April 2026: Wendepunkt Bildung – Mut zur Kurskorrektur