Der Chancenmonitor von ifo

Große Bildungsunterschiede nach sozialer Herkunft – Jungen seltener auf dem Gymnasium

Ludger Wößmann, Vera Freundl, Franziska Pfaehler, Florian Schoner und Olesia Tsaberiaba

Die Startchancen von Kindern und Jugendlichen werden noch immer viel zu sehr von ihrer sozialen Herkunft bestimmt. Das führt zu sozialen Spannungen und gefährdet den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Deshalb veröffentlicht der Verein BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ gemeinsam mit dem ifo Institut den Chancenmonitor. Er zeigt, wie (un)gerecht Bildungschancen in Deutschland sind und welche Faktoren einen Einfluss darauf haben. Und wo und wie wir helfen können.

Zusammenfasssung
Der Chancenmonitor von ifo und „Ein Herz für Kinder“ zeigt, dass die Bildungschancen der Kinder in Deutschland weiterhin stark von ihrem familiären Hintergrund abhängen. Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, liegt bei 16,9 %, wenn ein Kind mit Eltern ohne Abitur aus dem untersten Einkommensviertel ohne Migrationshintergrund aufwächst. Im Gegensatz dazu liegt sie bei 80,3 %, wenn das Kind mit Eltern mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel mit Migrationshintergrund aufwächst. Dabei fallen Bildung und Einkommen der Eltern besonders stark ins Gewicht. Darüber hinaus liegt die Wahrscheinlichkeit des Gymnasialbesuchs bei Jungen (36,9 %) 6,6 Prozentpunkte niedriger als bei Mädchen (43,5 %). Der Gender-Gap findet sich in allen Gruppen des familiären Hintergrunds, ist aber in den obersten Bildungs- und Einkommensgruppen etwas geringer ausgeprägt.

Handlungsempfehlungen für bessere Chancen für Kinder aus benachteiligten Familien sind (1) frühkindliche Bildungsangebote, (2) Unterstützung der Familien, (3) gute Lehrkräfte an Schulen mit benachteiligten Kindern, (4) kostenfreie Nachhilfeprogramme, (5) spätere schulische Aufteilung und (6) Mentoring-Programme.

Handlungsempfehlungen für bessere Chancen für Jungen sind (1) mehr männliche Erzieher und Lehrkräfte, (2) Reflektion von Geschlechterstereotypen, Unterrichts- und Erziehungsformen, (3) frühe Förderung der Lesekompetenzen und (4) der Selbstregulation von Jungen, (5) Elternarbeit und (6) außerschulische Stärkung der Bildungsaspiration von Jungen.

Seite: Der Chancenmonitor von ifo, ifo Schnelldienst digital, 2026, 7, Nr. 5 01-23 ifo Institut München,
PDF: https://www.ifo.de/DocDL/sd-digital-2026-05-woessmann-etal-chancenmonitor.pdf