Eltern handeln, weil die Politik die Schulwirklichkeit ignoriert
Bündnis für humane Bildung unterstützt bayerische Elterninitiative
Stuttgart / Offenburg, 26. Juli 2026: Eltern in Bayern wehren sich gegen den verpflichtenden Einsatz von Tablets an Schulen. Mit der Petition „Fokus statt Ablenkung: Ende des iPad-Zwangs an Bayerns Schulen“ fordern sie vom Bayerischen Landtag und Kultusministerium eine Kehrtwende: weg vom Tablet als permanentem Lernmedium, zurück zu analogen Lernmitteln.
Link zur Petition: „Fokus statt Ablenkung: Ende des iPad-Zwangs an Bayerns Schulen“
Die Initiatoren berichten aus dem Schulalltag ihrer Kinder: Schüler umgehen Sperren, spielen, chatten oder nutzen soziale Medien während des Unterrichts. Weil auch Hausaufgaben am Tablet erledigt werden müssen, setzt sich das Problem zu Hause fort. Eltern würden zu permanenten Kontrolleuren einer Technik gemacht, deren Nutzung selbst die Schulen nicht im Griff haben: „Mehrere Lehrer bestätigten mir, dass man im Unterricht noch nicht in der Lage sei, das alles zu kontrollieren, weil auch die Kinder so raffiniert sind, immer wieder Sperren zu umgehen,“ sagt Elisabeth Soldner, Initiatorin der Petition: „Die Folgen sind Konflikte um Bildschirmzeiten, Hausaufgaben und Medienkonsum. Aus einem pädagogischen Problem wird ein familiäres Problem.“
Die Petition kritisiert, dass die bayerische Regierung nicht auf ihre eigenen Wissenschaftler hört. So weise der renommierte Augsburger Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Zierer anhand empirischer Daten nach, dass der ungesteuerte Tablet-Einsatz zu messbaren Leistungseinbrüchen führt und plädiere für strenge Beschränkungen, ja sogar für ein Verbot der Digitalisierung.
Der Medienpädagoge Prof. Ralf Lankau (HS Offenburg), Sprecher des Bündnisses für humane Bildung, begrüßt die Initiative:
„Hier liegt der politische Sprengstoff dieser Elterninitiative: Die Digitalisierung wird politisch beschlossen – die alltäglichen Folgen müssen Kinder, Eltern und Lehrkräfte bewältigen. Um gesund aufzuwachsen und gut zu lernen, brauchen Kinder keine digitalen Medien. Deshalb sind Verbote bis zum 16. Lebensjahr richtig. Frankreich weitet sie sogar bis zur Oberstufe aus. Während in vielen anderen Ländern Jugendschutzverbote umgesetzt werden, schlägt die Prien-Expertenkommission die Einführung von Endgeräten bereits in der KiTa vor. Während Norwegen KI an Schulen verbietet, soll an deutschen Grundschulen ein verniedlichendes „KI-Seepferdchen“ eingeführt werden. In Deutschland beugen sich die Regierungen in Bund und Land den Lobbyverbänden und Geschäftsmodellen der IT-Branche.
Da Lesen, Schreiben, Konzentrationsfähigkeit und selbstständiges Denken durch den Einsatz von IT und KI-Bots leiden, muss die Pädagogik wieder Vorrang vor der Technik bekommen. Digitalisierung verschlechtert das Lernen nachweislich und macht Kinder vorsätzlich süchtig – Stichwort addictive design. Daher muss die Bildungspolitik Konsequenzen ziehen.“
Die Eltern fordern keine technikfreie Schule. Digitale Geräte sollen dort eingesetzt werden, wo sie einen konkreten pädagogischen Nutzen haben. Als Alternative für digitale Schulbücher schlägt die Petition die Wiedereinführung von Büchern und ablenkungsfreie E-Ink-Reader vor.
Das Bündnis für humane Bildung unterstützt die Petition. Sie sei Ausdruck eines wachsenden Konflikts zwischen einer technikfixierten Bildungspolitik und den Erfahrungen von Eltern und Lehrkräften.
Die bayerische Elterninitiative setzt damit ein Signal weit über Bayern hinaus: Eltern beginnen selbst zu handeln, weil sie nicht länger hinnehmen wollen, dass ihre Erfahrungen mit der digitalisierten Schulwirklichkeit politisch ignoriert werden.
Link zur Petition: „Fokus statt Ablenkung: Ende des iPad-Zwangs an Bayerns Schulen“
