Video: Wie die Intensivnutzung digitaler Geräte unser Leben verändert

Prof. Dr.  med. Joachim Bauer hat am 21.07.2026 in Freiburg den Vortrag „Wie die Intensivnutzung digitaler Geräte unser Leben verändert“ gehalten. Bauer referierte die Ergebnisse der Untersuchungen aus seinem Buch „Menschlichkeit in digitalen Zeiten. Warum wir ohne lebendige Wirklichkeit nicht leben können“.

Link zur Uni. Freiburg (Screenshot Universitär Freiburg)

Direktlink zum Vortrag: https://uni-freiburg.cloud.panopto.eu/Panopto/Pages/Viewer.aspx?id=8b6be334-9b81-4db1-9f26-b3e100ebad3b

Über 300 Besucher an der Uni Freiburg klatschten nach dem Vortrag minutenlang. Bauer trifft die Situation. Die Schäden, die digitale Medien bei Kindern, aber auch in der gesamten Gesellschaft anrichten, werden von Eltern und Pädagogen täglich erfahren, aber von der Gesundheits- und Bildungspolitik völlig unterschätzt. Die Bundesregierung unter Kanzler Merz ist mit starken Ankündigungen von baldigen Regelungen zum Schutz von Kindern angetreten. Doch die Ergebnisse der Prien-Kommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ bedienen die Geschäftsinteressen der IT-Branche. Durch die Hintertüre plädiert sie für noch mehr Digitalisierung. In einer Presseerklärung, die auch Prof. J. Bauer unterzeichnete, übt das Bündnis für humane Bildung daran scharfe Kritik. Der Schulpädagoge Prof. Klaus Zierer begründet sie ausführlich in einem Interview.

Wichtigste Punkte im Vortrag von Prof. Joachim Bauer (Text Uni Freiburg)

  • Körper, Seele und Geist: Wie sich Intelligenz entwickelt
  • Digitale Medien und ihre Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
  • Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz in der Medizin

Zusammenfassung

Der Referent Professor Joachim Bauer erörterte in seinem Vortrag die Bedeutung des menschlichen Körpers und der sinnlichen Erfahrung für die Entwicklung von Intelligenz und Kognition bei Kindern. Er kritisierte den zunehmenden Einsatz digitaler Medien und künstlicher Intelligenz in der frühen Bildung, da diese die körperliche Interaktion und Erfahrung der Kinder mit der realen Welt beeinträchtigen und ihre Entwicklung gefährden können. Bauer warnte auch vor den Risiken und Gefahren, die von KI-gesteuerten Begleitsystemen und sozialen Medien für Kinder und Jugendliche ausgehen können, wie Cybermobbing, Sexting und Cybergrooming. Er plädierte stattdessen für eine Neuausrichtung des Bildungssystems, das den Einsatz von KI erst in späteren Altersstufen vorsieht und den Fokus auf praktisches Lernen, Kreativität und zwischenmenschliche Beziehungen legt. Insgesamt betonte Bauer die Notwendigkeit, Kinder behutsam an den Umgang mit digitalen Technologien heranzuführen und ihre Entwicklung nicht durch einen übermäßigen Einsatz digitaler Medien zu gefährden.

 

Joachim Bauer: Menschlichkeit in digitalen Zeiten. Warum wir ohne lebendige Wirklichkeit nicht leben können, Heyne, 2026
Joachim Bauer: Menschlichkeit in digitalen Zeiten

Dr. med. Joachim Bauer (Berlin) Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut ist Facharzt für Innere Medizin, Psychiatrie und psychosomatische Medizin, war Professor an der Universität Freiburg und ist Autor zahlreicher Bücher. Seine gründliche Analyse der Absichten der Tech-Konzerne, Demokratien zu zerstören und dafür mit ihrer Monopolisierung der sozialen Medien schon die Kinder und Jugendlichen zu indoktrinieren, macht dem Leser bewusst, dass die Algorithmen keine neutralen Rechenvorgänge sind, sondern gezielt Inhalte transportieren, nicht nur für den Profit, sondern für eine totalitäre Gesellschaft.

Bauer behandelt zentrale Fragen: Was macht den Menschen im Kern aus? Entstehen Intelligenz, Empathie, Selbstbewusstsein und soziale Kompetenz durch Datenverarbeitung – oder durch körperliche Erfahrungen und lebendige Beziehungen? Welches Menschenbild steht hinter den großen Technologieunternehmen des Silicon Valley? Und wie verändern digitale Systeme Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Kommunikation und die Fähigkeit zur zwischenmenschlichen Resonanz?

Aus neurobiologischer, psychologischer und pädagogischer Perspektive zeigt Bauer, dass menschliche Entwicklung untrennbar mit realen Begegnungen, Körperlichkeit und sozialer Erfahrung verbunden ist. Besonders eindringlich beschreibt er die Folgen einer zunehmenden Verlagerung von Lebens- und Lernprozessen in digitale Räume: Konzentrationsprobleme, soziale Unsicherheit, digitale Abhängigkeiten, der Verlust unmittelbarer Kommunikationsfähigkeiten und die Gefahr, menschliche Beziehungen durch parasoziale Bindungen an digitale Systeme und damit die politischen Ziele der Tech-Konzerne zu ersetzen. Bauers zentrales Anliegen ist die Verteidigung dessen, was den Menschen unverwechselbar macht: die Fähigkeit zu Beziehung, Empathie, leiblicher Erfahrung und lebendiger Wirklichkeit.

Neue Fachliteratur zu den Alternativen für eine Erziehung zur Medienmündigkeit

„Vor zehn Jahren wurde der Trend zur zunehmenden Digitalisierung der frühen Kindheit von der Tech-Branche noch recht erfolgreich als Fortschritt verkauft, und die Politik forderte und förderte mehr Einsatz digitaler Medien in Bildungseinrichtungen – auch in Kitas,“

schreibt die Medienwissenschaftlerin Prof. Paula Bleckmann in der Zeitschrift „Welt des Kindes“ (1/2026). Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg versuchte 2012 Prof. Manfred Spitzer, der die Schädigungen von Kindern prognostizierte, mit großer Arroganz lächerlich zu machen:

„Was Spitzer vorschlägt, wird eh nicht ernst genommen und wird garantiert nicht stattfinden – also Entwarnung.“ (1)

Die Medienpädagogen, die die Geschäftsinteressen der Tech-Branche mit hunderten Gefälligkeitsstudien zu legitimieren versuchten, sind kläglich gescheitert und haben immens zur Schädigung der Kinder beigetragen. Die meisten Kultusministerien stehen nun konzeptionslos da. Milliarden wurden für die Frühdigitalisierung rausgeschmissen. Es wird Zeit zum Umsteuern. Dazu erscheint zunehmend auf die Schulpraxis bezogene Fachliteratur. Diese vier Bücher möchten wir empfehlen.

(1) Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (2012): Der Spitzer geht um, o.D.; dieser diffamierende Artikel steht immer noch auf Pro-Digital-Portalen im Netz. Das Landesmedienzentrum ist gescheitert und steht aktuell vor seiner Auflösung.