Eine Studie mit über 5000 Schülern bestätigt (einmal mehr), was „an sich“ jeder weiß: Wer seine Zeit auf Zeitfressern wie TikTok, Instagram und Co. vertrödelt, kann in dieser Zeit nichts Sinnvolles tun, Lernen zum Beispiel, Sport treiben oder mit anderen spielen. Bekannt als Zeitverdrängungsthese zeigt die italienische Studie Minderleistungen in Schulfächern als Folge der Bildschirmzeiten nach.
Smartphones als Lernverhinderer
Bekommen Kinder zu früh ein Smartphone und Zugang zu sozial nur genannten Medien, hat das gravierende Folgen für schulische Leistungen. Der Lernerfolg dieser Kinder hinkt den Kindern ohne diese Bildschirmzeiten um bis zu einem halben Jahr hinterher. Anders herum formuliert: Negative schulische Leistungen korrelieren direkt mit dem Einstiegsalter bei Tiktok, Instagram, Snapchat & Co.
Die Studie basiert auf Daten, die digitale Mediengewohnheiten abfragt und mit standardisierten Prüfungsleistungen abgleicht, die über Jahre in den Klassen zwei, fünf, acht und 10 in Italienisch, Mathematik und Englisch erhoben wurden. Als Empfehlung leiten die Forscher ab, dass Schulen ihre Programme zur digitalen Kompetenz ausbauen müssen, während die Plattformen die Pflicht bekommen (müssten), die Angebote kindersicher ( „safe-by-sesign“) zu machen, stärker reguliert zu werden sowie der Zugang zu sozialen Netzwerken für Kinder generell zu verzögern.
Das greift die weltweite Diskussion über altersbeschränkte Zugänge zu kommerziellen (!) Social Media Plattformen) und das Verbot süchtig machender Techniken (addictive design) auf. Frankreich verbietet zum neuen Schuljahr Social Media für unter 15-Jährige komplett. Groß Britannien plant ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.Für 16- und 17-Jährige soll in Groß-Britannien die Nutzung nachts automatisch gesperrt werden. (Tagesschau vom 15.7.2026)
In Deutschland hingegen bestimmen weiterhin die Lobbyisten der IT-Konzerne, dass der Zugang schon mit 13 Jahren möglich sein solle (was den aktuellen AGBs der Anbieter entspricht) und als „Forderung“ auch von „Expertenkommissionen“ übernommen wurde. Das ist das Alter, in dem junge Menschen besonders anfällig sind für die Einflussnahme Dritter, weil sie sich vom Elternhaus lösen und auf der Suche sind nach Orientierung und neuen Peers (Vorbildern).
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und A und B zusammenzählt …
Studie:
Längsschnittwirkung der frühen Social-Media-Nutzung auf standardisierte Lernergebnisse während der Schulkarriere
Gui, M., Respi, C., Abbiati, G. et al. Longitudinal effect of early social media use on standardized learning outcomes during school career. Nature Human Behaviour (2026). https://doi.org/10.1038/s41562-026-025 or https://www.nature.com/articles/s41562-026-02522-4
Zusammenfassung
Diese Studie verwendet Differenz-in-Differenz-Modelle, um die Auswirkungen der frühen Social-Media-Nutzung auf die akademische Leistung bei Kindern im Alter von 7 bis 16 Jahren zu bewerten. Ein Datensatz mit 5.227 Studenten aus Norditalien wurde durch die Zusammenführung von Daten aus einem Fragebogen über lebenslange digitale Mediengewohnheiten mit longitudinalen standardisierten Testergebnissen in Italienisch, Englisch und Mathematik erstellt. Teilnehmer, die in der sechsten, siebten oder achten Klasse ein persönliches Social-Media-Konto erstellten, wurden separat mit verstorbenen Anwendern abgeglichen, die ihr erstes Social-Media-Konto in der neunten oder späteren Klasse initiierten.
Die Ergebnisse liefern überzeugende Beweise dafür, dass ein frühzeitiges Engagement in sozialen Medien die Lernergebnisse negativ beeinflusst. Zusätzliche Erkenntnisse über die Auswirkungen der frühen Social-Media-Nutzung auf andere akademische Ergebnisse, für die wir keine Längsschnittdaten haben, stehen im Einklang mit unseren wichtigsten Ergebnissen. Wir finden auch unterstützende Beweise dafür, dass ein wesentlicher Teil dieses negativen Effekts durch die Durchdringung des Smartphones der Schüler in Schlüsselmomenten des Tages vermittelt wird.
Study (english)
Longitudinal effect of early social media use on standardized learning outcomes during school career
Gui, M., Respi, C., Abbiati, G. et al. Longitudinal effect of early social media use on standardized learning outcomes during school career. Nature Human Behaviour (2026). https://doi.org/10.1038/s41562-026-025 or https://www.nature.com/articles/s41562-026-02522-4
Abstract
This study uses difference-in-differences models to evaluate the impact of early social media use on academic performance among children aged 7–16 years. A dataset comprising 5,227 students from northern Italy was constructed by merging data from a questionnaire on lifetime digital media habits with longitudinal standardized test scores in Italian, English and mathematics. Participants who created a personal social media account in 6th, 7th or 8th grade were separately matched with late adopters who initiated their first social media account in the 9th grade or later.
The findings provide compelling evidence that early engagement with social media adversely affects learning outcomes. Additional findings on the effects of early social media use on other academic outcomes for which we do not have longitudinal data are in line with our main findings. We also find supporting evidence that a substantial part of this negative effect is mediated by students’ smartphone pervasiveness in key moments of the day.
Siehe auch: