Gleich zwei Päpste sind der Antichrist …

… wenn man Trumpisten und Tech-Faschisten glaubt

Die immense Bedeutung der sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ (d.i. automatisierte Datenverarbeitung) für das Leben der Menschen kann man einschätzen, wenn man die warnenden Texte von gleich zwei Päpsten (Franziskus und Leo XIV.) und die konträre Position vom Investor Peter Thiel dazu liest, der generell jeden, der diese Technik reglementieren möchte, zum Antichrist erklärt.

Systeme der Künstlichen Intelligenz (engl. Artificial Intelligence, AI) gibt es seit über 70 Jahren. Immer wieder werden Wunderdinge behauptet. Der Euphorie folgt zwangsläufig die Ernüchterung, die sogenannten „KI-Winter“. Denn KI ist immer nur die „Simulation von Intelligenz“ (Hansch, 2023). Aber: Menschen lassen sich (leicht und gern) täuschen. Der aktuell dritte KI-Hype durch ChatGPT und Tools der „generativen KI“ (Anwendungen, die automatisiert Texte schreiben, Präsentationen oder Videos erstellen u.v.m. – Aufgaben, die bislang menschliche Leistungen waren), wiederholt die Muster von technikgläubiger Euphorie (KI als Heilsbringer und Universallösung) wie Weltuntergangsszenarien (Doom and Dungeon).

Ausgeklammert werden die damit verbundenen Gefahren. Papst Franziskus hat bereits 2024 in einem langen Schreiben „Über die Bedeutung der Literatur in der Bildung“ (2024) von der „Besessenheit von Bildschirmen“ gewarnt. Die permanente Gegenwart von News, und PodCasts, Filmen und Videos würde den Menschen ihre eigene Vorstellungskraft rauben, sie permanent ablenken und ihre Wertevorstellungen beeinflussen. Sein Antidot: Lesen und eigene Vorstellungswelten entwickeln. Das nennt man Imagination und ist die Basis für Inspiration, Kreation und Phantasie. Auf dem G7-Gipfel 2024 warnte Franziskus sogar vor dem Verlust der Entscheidungshoheit über das eigene Leben, weil KI-Tools immer mehr bestimmen, was wir sehen und hören, über was wir kommunizieren und mit wem.

„Wir würden die Menschheit zu einer hoffnungslosen Zukunft verdammen, wenn wir den Menschen die Fähigkeit nehmen würden, über sich selbst und ihr Leben zu entscheiden, und sie dazu verdammen würden, von der Wahl von Maschinen abhängig zu sein.“ (Papst Franziskus, 2024)

Das aber ist exakt die Aufgabe kommerzieller KI-Tools: Menschen und ihr Verhalten zu beeinflussen. Dazu werden suchtfördernde Elemente (addictive Design) ebenso eingesetzt wie persuasive (verhaltensändernde) Techniken. Davor warnte Papst Leo XIV. bereits am zweiten Tag seines Pontifikats: KI sei eine der größten Herausforderungen für den Schutz der Menschenwürde und der Gerechtigkeit der Arbeit. (Papst Leo XIV, 2025). Im Mai 2026 genehmigte Papst Leo XIV. deshalb die Gründung einer Interdikasteriellen Kommission für künstliche Intelligenz (Rescript vom 12.5. 206) als Referenz dient das Rerum Novarum von Papst Leo XIII. von 1891 (dt.) zur industriellen Revolution.

Tech-Mogul als Warner vor dem Antichrist

Das Ziel der zu verfassenden Enzyklika sind moralischen Leitplanken für den Einsatz von künstlicher Intelligenz. KI solle als Werkzeug dienen, um menschliche Intelligenz zu ergänzen, dürfe sie aber ebenso wenig ersetzen wie Entscheidungen, die dem Menschen vorbehalten bleiben müsse. Papst Franziskus wie Papst Leo XIV. fordern ein Verbot tödlicher autonomer Waffensysteme (die in der Praxis bereits eingesetzt werden). Alleine diese Forderung genügt, um einen KI-Investor und bekennenden Demokratieverächter wie Peter Thiel auf den Plan zu rufen. Wer die Technologie zügele, bereite dem Antichristen den Weg. Thiel ergötzt sich regelrecht an der Dystopie religiöser Endzeitvisionen. Atomkriege, Umweltkatastrophen, Biowaffen und KI-gesteuerte, autonome Killerroboter würden die Menschheit an den Rand des Abgrunds bringen. Praktisch dabei: Thiel befördert zugleich seine Investitionen in KI- und Überwachungstools wie Palantir.

„Als Gründer von Palantir und Risikokapitalgeber hat er ein vitales Interesse an einem unregulierten Tech-Sektor – und scheut nicht davor zurück, religiöse Ängste für seine Agenda zu instrumentalisieren.“ (Müller, 2025)

Damit entlarvt sich Thiel selbst und reiht sich ein in die Riege der Blasphemiker der US-Regierung, wenn etwa der Vizepräsident und Konvertit J.D. Vance glaubt, Papst Leo XIV. in Glaubensfragen belehren zu müssen. Der Papst (nicht Vance) müsse „vorsichtig sein, wenn er über Fragen der Theologie“ spreche. Man müsse sicherstellen, dass theologische Aussagen „in der Wahrheit verankert“ seien, kanzelte der US-Vizepräsident den Papst ab. (Seckel 2026; Tenhage 2026) Der selbsternannte Gotteskrieger Hegseth betet derweil im völkerrechtswidrigen Irankrieg zu seinem „Gott“, dass „jede Kugel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation ihr Ziel finde“. Für Trump selbst ist der christliche Glaube ohnehin nur eine Attitude, um die Evangelikalen in den USA an sich zu binden und mit der „Trump-Bibel“ Geld zu scheffeln. Das wiederum ist nur ein Beispiel für den krankhaften Narzissmus des US-Präsidenten. (Berndt 2026, dort Gartner) Es ist zugleich ein Zeichen von Autoritarismus und Hybris, wenn eine Religion für eigene weltliche und militärische Ziel instrumentalisiert wird.

Zwingend notwendig: Regulierung von KI

Die Frage nach ethischen Regeln und Grenzen für den Einsatz autonomer KI-Systeme beherrscht die Diskussion einmal mehr weltweit (siehe die Asilomar-Konferenz und Papiere; Lankau, 2024; Rehbein, 2018). Das StartUp Anthropic aus den USA hat z.B. für sein KI-Modell Claude festgelegt, dass dieses System weder US-Bürger überwachen noch als System für Drohnen autonom (ohne Eingriff eines Menschen) töten darf. Daraufhin wurde Anthropic vom Pentagon und seinem Verteidigungsminister Hegseth (der sich, großflächig mit Symbolen der Kreuzritter tätowiert, Kriegsminister nennt), zum nationalen Sicherheitsrisiko erklärt und von staatlichen Auftragen suspendiert.

Amazon, Google, Microsoft, Nvidia, Open AI und weitere AI-Unternehmen haben die Vereinbarungen mit dem Pentagon unterschrieben. Deren Software darf für „alle rechtmäßigen Zwecke eingesetzt werden, ohne Schranken“ wie es im Papier des Verteidigungsministerium heißt (Kirchner 2026). Was rechtmäßig ist, bestimmt die Administration Trump, per Dekret. Es bedeutet in der Praxis: Es gelten in den USA derzeit weder Menschenrechte noch das internationale Kriegs- oder Seerecht, wie die Militäraktionen in Venezuela und der Krieg gegen Iran zeigen.

Und wer den Schuss immer noch nicht gehört hat, lese das Manifest von Alex Karp „Because we get asked a lot“, ein klar techno-faschistisches und rassistisches Pamphlet für die Vorherrschaft weißer, reicher rechter Männer. (Karp 2026)

Versagen der Politik

Umso wichtiger ist es, dass sich mit Papst Leo XIV eine ethische Instanz zu Wort meldet und man darf auf die Enzyklika des neuen Papstes gespannt sein. Damit übernimmt die katholische Kirche eine Aufgabe – die Regulierung technischer Entwicklung zum Schutz der eigenen Bevölkerung – , die „an sich“ Aufgabe staatlicher und demokratischer Institutionen wäre und für die es in Berlin sogar eine eigene Instanz im Deutschen Bundestag gibt, den „Ausschuss für Technikfolgeabschätzung“ (TA). ()

Aber womöglich verstellt der Unsinn des „digital only“ aus dem aktuellen Koalitionsvertrag und die Gründung eines eigenen Digitalministeriums den sachlichen Blick auf die Folgen einer Technologie (Kybernetik, heute KI), vor der deren Namensgeber Norbert Wiener schon 1947 warnte:

„Wir haben nicht einmal die Möglichkeit, diese neuen technischen Entwicklungen zu unterdrücken. Sie gehören zu diesem Zeitalter, und das Höchste, was irgend jemand von uns tun kann, ist, zu verhindern, daß die Entwicklung des Gebietes in die Hände der verantwortungslosesten und käuflichsten unserer Techniker gelegt wird.“ (Wiener, 1963 S. 61f)

Diese verantwortungslosesten und käuflichsten Techniker und ihre Kooperationspartner (Programmierer, Marketingvertreter, Psychologen) lassen sich von A (Sam Altman, Open AI) bis Z (Marc Zuckerberg, Meta) ausbuchstabieren. Ergänzen muss man KI-Investoren wie Peter Thiel oder Unternehmen wie Palantir, das nicht nur Überwachungssoftware für Polizei und das Militär entwickelt, sondern auch T-Shirts mit dem Konterfei von Alex Karp und dem Slogan „Dominate“ (Win/Lose Dominate) vertreibt. Die Tech-Monarchen uniformieren ihre Follower und greifen durch deren Präsenz im öffentlichen Raum neben der digitalen auch nach der weltlichen Macht.

In Frage steht daher, ob demokratische Gesellschaften intelligent (und schnell) genug sind, um sich gegen die autokratischen Machtphantasien der Tech-Feudalisten zu wehren und KI regulieren oder nur weiter die technische Infrastruktur für den totalitären Kontrollstaat zugnsten weniger Tech-Monopole aufbauen, was sich „digitale Transformation“ nennt, aber zwangsläufig im KI-gesteuerten Faschismus (Rainer Mühlhoff, 2025) endet.

Literatur und Quellen

Berndt, Christina (2026) Psychiatrie: Darf man Donald Trump für krank erklären?, in: SZ vom 14.5.,2026;  (18.5.2026)

Hansch, Dieter (2023) Der ehrlichere Name wäre „Simulierte Intelligenz“, in: FAZ vom 1.3.23, S. N2

Karp, Alex (2026) Because we get asked a lot. The Technological Republic, in brief.; https://x.com/PalantirTech/status/2045574398573453312 (16.5.2026)

Kirchner, Thomas (2026) Ich hoffe, dass unsere Demokratien rechtzeitig aufwachen, in. SZ vom 16./17. Mai 2026, S. 8

Lankau, Ralf (2024) KI-Moratorium. Und wieder ruft der (Ro)Bot, grüßt das Murmeltier. Tech-Experten und Wissenschaftler fordern ein Moratorium für KI (3. April 2023); PDF: https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2023/04/lankau_ki_moratorium_pub.pdf (29.5.2026)

Mühlhoff, Rainer (2025) Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus. – Wie Tech-Milliardäre Macht und Zukunft formen.

Müller, Bernd (2026) Leo XIV. zieht rote Linien bei künstlicher Intelligenz, in: Telepolis vom 18. Mai 2026; (19.5.2026)

Müller, Bernd (2025) Peter Thiel warnt: Der Antichrist will Künstliche Intelligenz regulieren, in: Telepolis vom 27.9.2025; (16.5.2026)

Papst Leo XIII., Rerum Novarum (1891), Enzyklika (dt.); (28.5.2026)

Papst Leo XIV (2025) KNA: Papst Leo XIV. sieht KI als eine der größten Herausforderungen, 10.5.2025;  (20.6.2025)

Papst Franziskus (2024) Über KI (beim G7-Gipfel in Italien; Wortlaut, 14. Juni 2024);  (20.6.2025)

Rehbein, Malte (2018) Die „Asilomar AI Principles“ zu Künstlicher Intelligenz, in: Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V., Heft 1/2018, S. 24-26; (31.3.2023).

Seckel, Timm (2026) Iran-Krieg; Trump und Vance erneuern Kritik an Papst Leo, in: Handelsblatt vom 15.4.2026;  (16.5.2026)

Tenhagen, Bernd (2026) Wie US-Vizepräsident Vance den Papst belehren wollte. Aussöhnung erfolgt, Schaden bleibt, in: Domradio, 19.4.2026;

Vatikan News (Mai 2026) Papst genehmigt Gründung der Interdikasteriellen Kommission für Künstliche Intelligenz. In einem von Kardinal Michael Czerny, Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der integralen menschlichen Entwicklung, unterzeichneten Reskripts genehmigt Papst Leo XIV. die Schaffung einer interdikasteriellen Kommission für künstliche Intelligenz;  (19.5.2026)

Wiener, Norbert (1948): Kybernetisch gor Controller ans Kommunikation oft ehe Antimal ans ehe Maschine, dtv . Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine (zitiert nach der 1. deutsche Auflage, Düsseldorf, 1963)