Kinder, Mobiltelefone und Leseverständnis

Los Angeles (Kalifornien/USA) – Müssen Eltern den Smartphone-Kauf für ihre Kinder noch einmal überdenken? Bereits der Besitz und Zugang zu Smartphones stört die Konzentration und führt zu Leseschwächen

Eine Studie der University of California (UCLA) kommt zu einem wenig überraschenden Ergebnis: Bereits der Besitz eines eigenen Smartphones führt zu schlechteren Leistungen beim Leseverständnis, unabhängig davon, ob das Gerät in der Schule genutzt wird oder nicht. Untersucht wurden Dritt- und Sechstklässler aus verschiedenen Schulen in Kalifornien. Das gilt auch dann, wenn das Smartphone nicht im Unterrichts, dafür aber zu Hause zur Verfügung steht. Der Grnd: Auch ein nur abgeschaltetes Smartpone zu Hause lenkt ab und stört die Konzentration. Verbote an Schulen könnten das Problem nur teilweise lösen.

„Wir haben festgestellt, dass es kein Alter gibt, in dem ein Handy das Leseverständnis eines Kindes verbessert oder verschlechtert. Es kommt also allein darauf an, ob es überhaupt ein Handy besitzt“, so die Mitautorin und Psychologieprofessorin Patricia Greenfield. Nur Kinder aus Familien, die zu Hause kein Englisch sprechen, profitieren mitunter vom frühen Texten auf dem Smartphone.

Die übliche Einschränkung (die Untersuchung zeige nur einen statistischen Zusammenhang, liefere aber aber keinen kausalen Beweis), wird ergänzt um den Rat, dass Handyverbote an Grundschulen soziale Vorteile haben könnten, weil sie persönliche Gespräche und den direkten Austausch zwischen Kindern fördern.

Die Studie

Greenfield, Patricia M., Marola Hanna, Rocio Burgos-Calvillo, and Laura Rhinehart. 2026. „Children, Cell Phones, and Reading Comprehension“ Behavioral Sciences 16, no. 8: 1263. https://doi.org/10.3390/bs16081263

Kinder, Mobiltelefone und Leseverständnis

Zusammenfassung

In den letzten Jahren hat das Leseverständnis in den Grundschulen der USA abgenommen. Sind Mobiltelefone dafür verantwortlich? Es gibt kaum Belege für den Einfluss von Mobiltelefonen auf das Leseverständnis in der Grundschule. Unsere Hauptfrage lautete, ob der Besitz eines Handys in einem negativen Zusammenhang mit dem Leseverständnis von Kindern der dritten und sechsten Klasse steht. Genauer gesagt: Würden Benachrichtigungen oder allein die Anwesenheit eines Handys die Konzentration beeinträchtigen, die für ein optimales Leseverständnis erforderlich ist?

Von insgesamt 106 Kindern untersuchten wir 55 Kinder einer sechsten Klasse und 51 Kinder einer dritten Klasse. Die Stichprobe war sprachlich vielfältig: Englisch war für 42 % die Muttersprache, Arabisch für 30 % und Spanisch für 28 %. Das Versuchsverfahren basierte auf einem Design mit wiederholten Messungen: Teilnehmer, die am Tag der Studie ihr Handy mit in die Schule brachten, absolvierten einen ihrem Jahrgang entsprechenden Leseverständnistest aus der 8. Auflage von DIBELS, wobei ihr Handy neben ihnen lag, sowie einen anderen Test aus derselben Testbatterie, ohne dass ihr Handy in der Nähe oder in Sichtweite war. Teilnehmer, die kein Handy dabei hatten, absolvierten ebenfalls zwei Leseverständnistests aus der 8. Auflage von DIBELS; es handelte sich dabei um dieselben Tests, die auch von den Teilnehmern im experimentellen Teil der Studie absolviert wurden, die ein Handy dabei hatten.

Alle Teilnehmer füllten einen kurzen Fragebogen zum Besitz und zur Nutzung von Mobiltelefonen sowie zu demografischen Aspekten aus. Die Versuchsbedingungen hatten keinen Einfluss auf das Leseverständnis: Ob ein Kind sein Handy im Blickfeld hatte oder nicht, machte keinen Unterschied für seine Leistung im Leseverständnis. Auch gab es keinen Unterschied im Leseverständnis zwischen Schülern, die am Tag der Studie ein Handy mit in die Schule gebracht hatten, und solchen, die keines dabei hatten. Dieses Fehlen kurzfristiger Effekte stand im Gegensatz zum Vorhandensein langfristiger Zusammenhänge: Der Besitz eines eigenen Handys war in der gesamten Stichprobe signifikant mit niedrigeren Leseverständniswerten verbunden. Bei Teilnehmern aus nicht englischsprachigen Haushalten, die ein eigenes Handy besaßen, war das Leseverständnis jedoch umso besser, je früher ein Kind mit dem Versenden von SMS begonnen hatte und Zugang zu Spielen auf seinem Handy hatte. Bei Kindern aus englischsprachigen Haushalten, die ein eigenes Handy besaßen, war weder der frühe Zugang zu Handyspielen noch der frühere Beginn des SMS-Schreibens mit einem besseren Leseverständnis verbunden.

Children, Cell Phones, and Reading Comprehension

Greenfield, Patricia M., Marola Hanna, Rocio Burgos-Calvillo, and Laura Rhinehart. 2026. „Children, Cell Phones, and Reading Comprehension“ Behavioral Sciences 16, no. 8: 1263. https://doi.org/10.3390/bs16081263

Abstract
In the last several years, reading comprehension has declined during elementary school in the U.S. Are cell phones to blame? There is a dearth of evidence concerning the cell phone impact on reading comprehension at the elementary school level. Our primary question was whether acquisition of a phone would be negatively related to the reading comprehension performance of third- and sixth-grade children. More specifically, would notifications or the mere presence of a phone reduce the concentration required for an optimal reading comprehension performance?

Among 106 children, we studied 55 children in a sixth-grade group and 51 children in a third-grade group. The sample was linguistically diverse: English was the home language for 42%, Arabic for 30%, and Spanish for 28%. The experimental procedure used a repeated-measures design: Participants who brought phones to school the day of the study took a grade-appropriate reading comprehension test from the DIBELS 8th edition with their phone next to them and a different test from the same battery without their phone nearby or in sight. Participants who did not have a phone with them also took two reading comprehension tests from the DIBELS 8th edition; they were the same tests taken by participants in the experimental portion of the study who had phones with them.

All participants completed a short survey about phone ownership and use, along with demographic questions. There was no effect of the experimental conditions on reading comprehension: Whether or not a child had their phone in sight made no difference to their reading comprehension performance. Nor did reading comprehension differ for students with or without phones at school the day of the study. This absence of short-term effects contrasted with the presence of long-term relationships: Possessing a personal cell phone was significantly associated with lower reading comprehension scores across the whole sample. However, for participants from non-English-speaking homes who had their own phones, reading comprehension was significantly better the earlier a child began texting and had access to games on their phone. For children from English-speaking homes who had their own phones, neither early mobile game access nor earlier initiation of texting was associated with better reading comprehension.

Keywords:
children; cell phones; texting; distraction; reading comprehension; notifications

Greenfield, Patricia M., Marola Hanna, Rocio Burgos-Calvillo, and Laura Rhinehart. 2026. „Children, Cell Phones, and Reading Comprehension“ Behavioral Sciences 16, no. 8: 1263. https://doi.org/10.3390/bs16081263